Ein gelungenes Beispiel liefert ein gemauertes Mehrparteienhaus aus den 1970er Jahren, das in Lorup im Emsland steht: Trotz ausgereizter Statik erhielt es – als Krönung seiner gelungenen energetischen Totalsanierung – on top ein selbst tragendes Staffelgeschoss in Holzrahmenbauart.
1975 als Einfamilienhaus errichtet, erfolgte 1990 ein Erweiterungsumbau zum zweigeschossigen Mehrparteienhaus mit insgesamt vier Mietwohnungen. Die Bauausführung war typisch norddeutsch: Ziegelmauerwerk mit Klinker-Vorsatzschale. Der energetische Standard entsprach jedoch immer weniger den sich wandelnden Anforderungen der Zeit, denn die Gebäudehülle war vollkommen ungedämmt. Das sollte sich erst nach einem Eigentümerwechsel von Grund auf ändern.
Allein der Wandel ist beständig
Erwerber waren die Ingenieure Christoph Behnen und Thomas Staggenborg als Partner des Planungsbüros Behnen ingenieure. Sie wollten expandieren und brauchten dafür zusätzliche Räumlichkeiten. Deshalb bot es sich an, die dringend erforderliche energetische Sanierung des stattlichen Objekts in Lorup mit einer Dachaufstockung zu verbinden. „Die statische Belastbarkeit des alten Baukörpers war weitestgehend ausgereizt; für eine Aufstockung kamen somit nur Werkstoffe in Betracht mit deutlichen Gewichtsvorteilen gegenüber einer gemauerten Ausführung. Uns gefiel daher die Idee, die Wände im Staffelgeschoss gewichtsoptimiert in Holzrahmenbauart auszuführen und für das Dachtragwerk robuste Scherenbinder zu verwenden“, berichtet Bauherr Dipl.-Ing. Thomas Staggenborg. Das hinzugezogene Architekturbüro Knipper Kleine aus Sögel betraute die Janssen Holzbau GmbH aus Werlte mit dem Holzbaugewerk. Ein wesentlicher Vorteil der Zusammenarbeit mit dem leistungsstarken DHV-Mitgliedsunternehmen besteht für die Auftraggeber darin, dass Janssen sowohl fix und fertig gedämmte Holzrahmenwände als auch maßgenau vorgefertigte Binder für das Dachtragwerk aus einer Hand liefert. Dabei ist das durch und durch ökologisch ausgerichtete Unternehmen, das zu den bekanntermaßen besonders leistungsstarken Holzbaubetrieben im Nordwesten Deutschlands zählt, nicht auf eine bestimmte Ausführungsart fixiert: Holzbau Janssen liefert sowohl klassische Pfettendächer als auch Tragwerke aus Nagelplattenbindern aller Dimensionen – je nach dem, was für das anstehende Bauvorhaben gestalterisch, konstruktiv und/oder preislich die beste Lösung ist.
Staffelgeschoss mit raffinierter Statik
„Um beim BV Behnen die energetische Qualität des Gebäudekörpers nachhaltig zu verbessern, haben wir die Wände des Staffelgeschosses in Holzrahmenbauart geplant. Darauf haben wir fassadenseitig sechs Zentimeter dicke Holzfaserdämmplatten verklammert, die sowohl vor sommerlicher Hitze, winterlicher Kälte als auch vor Schall hervorragend schützen und zudem als Putzträger fungieren. Das neue Dachtragwerk wurde von uns mit Scherenbindern so ausgeführt, dass sie auf die gesamte Holzkonstruktion im Staffelgeschoss aussteifend wirken. Die Lastabtragung aus Wind erfolgt über spezielle Horizontalverbände, die die Lasten in die Giebel- sowie Treppenhauswände ableiten. Die vorhandene bauliche Substanz wird auf diese Weise bestmöglich geschont“, erläutert Dipl.-Ing. Rolf Janssen, Geschäftsführer der Firma Janssen Holzbau aus Werlte.
Dementsprechend erfolgte die Montage der von Holzbau Janssen hergestellten Holzrahmenwände und Tragwerksglieder in Lorup durch die auf Altbausanierungen spezialisierte Zimmerei Plaggenborg, ebenfalls ansässig in Werlte.
Innovative TGA
Die Bauherren Thomas Staggenborg, Dipl.-Ing. für Elektrotechnik, und Christoph Behnen, Dipl.-Ing für Versorgungstechnik, befassten sich eingehend mit der Planung einer optimalen Heizungs- und Klimatisierungstechnik für ihren neuen Hauptsitz. Bemerkenswert: Gleich vier Sole-Wärmepumpen wurden installiert, um die Erdwärme aus einer Tiefe von 100 m an die Oberfläche zu holen und das Brauchwasser so umweltschonend wie möglich zu erwärmen. Die Gebäudebeheizung mittels hochmoderner Erdwärmepumpen hat im Haus Behnen die vormalige Gaszentralheizung abgelöst. Da das Verbrennen fossiler Energieträger keine Dauerlösung sein kann, gehört nach Überzeugung der Gründer und Betreiber des Ingenieurbüros Behnen intelligenten Energieversorgungskonzepten die Zukunft. Genau aus diesem Grund war es für sie naheliegend, in die energetische Sanierung der betagten Immobilie ihre Expertise als TGA-Planer so einzubringen, dass das Haus nicht nur optisch, sondern auch versorgungstechnisch echten Innovationsgeist erkennen lässt. Beispielsweise galt es bei der Planung des Dachtragwerks zu berücksichtigen, dass im Giebelraum Kühlungstechnik Platz finden musste, so dass die Büroräume bei Bedarf mit kühler Luft, die aus der Decke strömt, erfrischt werden können. „Als Heizflächen für die Grundbeheizung /-kühlung dienen im Erdgeschoss und Dachgeschoss eine Fußbodenheizung und im Obergeschoss eine Betonkernaktivierung. Diese Flächenheizungen sind durch die niedrigen Betriebstemperaturen für eine Beheizung / Kühlung über eine Wärmepumpe besonders geeignet. Durch die hohe Speicherkapazität der beiden Systeme wird die Wärme/Kälte gleichmäßig an die Räume abgegeben. Weiterhin werden noch Nacherhitzer/-kühler der Lüftungsanlagen, Deckenheiz-/kühlbalken in den Chefbüros im Staffelgeschoss sowie Ventilatorkonvektoren in den Besprechungsräumen im Erd- und Obergeschoss an die Erdwärme angeschlossen“, erläutert Thomas Staggenborg. Das komplexe Sanierungs-, Umbau- und Umnutzungsvorhaben konnte erfolgreich abgeschlossen und das sanierte und aufgestockte Gebäude seiner neuen Bestimmung als Büro- und Gewerbeimmobilie übergeben werden.
Auf einen Blick
Die größte Herausforderung bestand in der Lösung des Problems, auf welchem Wege die Abtragung der statischen Lasten erfolgen sollte, die eine Aufstockung mit sich bringt. Am runden Tisch bei Janssen Holzbau in Werlte wurde die Idee entwickelt, die gewünschte Erweiterung um ein Stockwerk nach oben in Holzrahmenbauart vorzunehmen, da diese Ausführung erheblich leichter ist als vergleichbare gemauerte Wandaufbauten. Um auch beim Dachtragwerk die Auflast von vornherein so gering wie möglich zu halten und den komplexen gebäudetechnischen Installationswünschen der Bauherren zu entsprechen, wurde das Tragwerk mit Scherenbindern ausgeführt. Sie wurden so bemessen, dass sie auf die gesamte Holzkonstruktion aussteifend wirken: Die Lastabtragung aus Wind erfolgt über spezielle Horizontalverbände, die die Lasten in die Giebel- sowie Treppenhauswände ableiten.

Der Hohlraum zwischen Mauerwerk und Klinkerschale ist jetzt komplett ausgedämmt, die neuen Vollklinker wurden auf die Altfassade aufgedoppelt.

Im typisch norddeutschen Stil präsentierte sich die Klinkerfassade des Mehrfamilienhauses, das nach einem Eigentümerwechsel energetisch totalsaniert, aufgestockt und zur Gewerbeimmobilie umgenutzt wurde.

Zimmerei Plaggenborg aus Werlte verbaute die von DHV-Mitglied Holzbau Janssen gelieferten Binder und Wandelemente.

Für das Staffelgeschoss fiel die Wahl auf gewichtsoptimierte Wände in Holzrahmenbauart und ein Dachtragwerk aus mitaussteifenden Nagelplattenbindern.

Kühlung inklusive: Im Giebelraum des ausgebauten Staffelgeschosses fand eine Kühlungsanlage Platz, die angenehm temperierte Frischluft in die Räume leitet.

