Keine Lust, den Text zu lesen? Hier gibt es das Abenteuer auch auf Youtube“.

Neu anzufangen hat mir schon immer Spaß gemacht. Und vor allem dabei die Menschen kennenzulernen.

Im Holzbau, so sagte man mir, haben alle an einer „magischen Schatulle“ gerochen – da findet man die guten Typen. Hier arbeiten die, die das Ganze im Blick haben, die sich auf der Baustelle kümmern, denen ihre Tradition wichtig ist und die das Bauen mit Holz aus Leidenschaft tun. Innovativ und mit dem Blick nach vorn.

Zu einem dieser Menschen bin ich gerade unterwegs. Die Idee dahinter: Ich biete zum Start in meine neue Stelle 10 Praktikums-Tage an, sitze mit im Büro, gehe mit auf die Baustelle, was auch immer. So bekomme ich (hoffentlich) einen Blick hinter die Kulissen und den direkten Kontakt zu den Menschen, die den Holzfertigbau im Kern ausmachen.

In Berlin angekommen, gibt es noch einen kurzen Abendspaziergang durchs Regierungsviertel, aber nach einem Tag mobiles Büro im Zug bin ich aber einfach kaputt und haue mich erstmal aufs Ohr.

Zweiter Tag. Ab in die U-Bahn. Einmal quer durch Berlin. Das Thema heute: TragwerksPlanung aus Holz.

Ansgars Büro liegt in Mahlow, südlich von Berlin, gleich neben dem BER. Flugzeuge werde ich heute aber keine sehen – denn mich wird ein intensiver Tag erwarten und das Beste kommt wie immer zum Schluss – so viel sei schonmal verraten.

Das Büro Hüls-Ingenieure Tragwerke aus Holz befindet sich in einem Einfamilienhaus mit großer Glasscheibe. War vielleicht mal ein Laden, doch jetzt begrüßt mich das große Logo auf dem Schaufenster. Dahinter sitzt direkt Daniel, ihm gegenüber Oliver. Später darf ich kurz über die Schulter schauen und ich bekomme einen Eindruck von der Komplexität und Schönheit dieses Berufsfelds.

Wie komme ich zu dem Eindruck? Zum einen geht Holzbau nicht ohne intensive Planung. Einfach mal auf die Baustelle fahren und losarbeiten funktioniert nicht. Umso qualitativer die Planung, umso besser die Fertigung und Ausführung, umso geringer die Kostenabweichung für den Bauherren. Hier bündeln sich alle relevanten Informationen – und, Daniel und Oliver denken immer gleich auch an die Ausführung: Geht das denn später auch so auf der Baustelle? Passt der Entwurf zum Bauablauf? Lässt sich das Ganze denn überhaupt so montieren. Die notwenige Denkleistung und Kreativität sind absolut faszinierend.

Dann komme ich zu Ansgar ins Büro. Als erstes fällt mein Blick auf einige Zettel an der Schrankwand – auf einen ganz besonders:

Gesagt ist nicht gehört.
Gehört ist nicht verstanden.
Verstanden ist nicht einverstanden.
Einverstanden ist nicht angewendet.
Angewendet ist noch lange nicht beibehalten.
(Konrad Lorenz)

Wie ich im Laufe der Zeit verstehe: Planung ist ein besonderes Bindeglied, eine Nahtstelle im Holzfertigbau. Und, was das Zitat andeutet: Hier geschieht Moderation – Bauherren, Architekten, Ingenieure und Holzbauer müssen sich verstehen, sich in gewisser Weise einig werden (das ist dann die vorliegende Planung) und aus diesem Einverständnis erfolgt die (im besten Falle) reibungslose Ausführung.

Ansgar und ich schweifen erstmal ab und teilen Geschichten, wo dieser Prozess gut funktioniert oder auch überhaupt nicht. Streifen Politik und Gesellschaft und sind uns einig, dass man doch sich gegenseitig viel mehr zuhören sollte.

Was bedeutet nun TragwerksPlanung und warum ist eigentlich das „P“ im Logo großgeschrieben? Die ersten Jahre, so Ansgar, habe er nur für mineralische Projekte geplant – die „Mörtel und Sand, die Steinwüste des Nordens“. Platte. Holz brennt. Und Brettschichtholz war in dieser Region nach der Wende nur schwer verfügbar.

Seiner Frau ist es zu verdanken, dass er sich an die Tragwerke aus Holz herangewagt hat. „Lass uns was mit Holz machen“ – und was folgt ist faszinierender Bericht über ein Hineinwachsen und eine beeindruckende Kompetenz, die das Ingenieurbüro Hüls über die Jahre aufgebaut hat. Der erste Meilenstein lässt nicht lange auf sich warten. 1998 wird er mit dem (damals ersten) Sächsischen Holzbaupreis ausgezeichnet.

Nun nochmal zum großen „P“. Für Ansgar ist die Zeichnung die Sprache des Ingenieurs. Und für einen erfolgreichen Planungsprozess ist das gegenseitige Verstehen enorm wichtig. Holzbau bedeutet Detailarbeit, diese Details müssen verstanden und anwendbar sein und deshalb erstellt das Büro die Rohbaupläne wie eine Art Arbeitsanweisung für den Zimmermann – alle Zeichnungen und Pläne sind somit mit vielen ausführlichen Details hinterlegt.

Mittagspause.
Daniel und Oliver berichten von ihrer Ausbildung. Die Uni habe eher die Intuition für den Gegenstand grundgelegt. Danach folgte das wirkliche Lernen im Ingenieurbüro. Und man spürt es den beiden ab, dass das Bauen mit Holz etwas Besonderes ist. Leidenschaft. Ansgar erklärt mir später, dass jeder im Büro seine Schwerpunkte und Kompetenzen hat, aber dass das Lernen und die Weiterentwicklung unglaublich wichtig sind. Jeder muss etwas vom Ganzen verstehen. Das ist sein Anspruch.
Wenn man auf die Website schaut, springt einem dieses Verständnis sofort ins Auge: „Denken im Ganzen“, so beschreibt Ansgar sein Profil. Planung aus einer Hand ist ihm wichtig, Ausführungsplanung und der Vergabeprozess werden inhouse gleich mit angeboten.

Wir tauschen uns aus über Arbeitsorganisation, Störfaktoren auf dem Schreibtisch, den Umgang mit Informationsflut und der Notwendigkeit fokussierter Arbeit. Mitarbeiter-Entwicklungsgespräche, Software-Nutzung und Arbeitszeit-Monitoring kommen zur Sprache. Themen, die man sich als Geschäftsführer über viele Jahre hinweg erarbeiten musste und mit denen man auch nicht fertig ist.

Neben der großen Verantwortung schlägt hier das Herz des Unternehmertums: Gestalten zu können, Ziele zu erreichen, mit Rückschlägen umzugehen. Ein sogenannter AKU hat in begleitet. Eine Gruppe von Unternehmern, die sich gemeinsam angeleitet auf den Weg gemacht haben. Sein Wunsch: diese Erfahrung auch an nachfolgende Unternehmer-Generationen weitergeben zu können.

Zum Tages-Abschluss ging es dann an die Substanz: Ansgar hat mich am Morgen gebeten, meine Eindrücke über den Tag zu sammeln, ihm ein ehrliches Feedback zu geben. Klar, habe ich gesagt – wobei mich diese Zusage sofort nervös gemacht hat. Was soll ich ihm schon sagen?
Was ich gesehen habe, waren die Dinge, die ihm wertvoll sind – Qualität, Präzision, Verlässlichkeit. Tools, die die Arbeit wirklich besser machen, mit denen man gestalten kann, auf die Ziele hin, die man selbst festlegt. Ein Team, was sich ergänzt und gemeinsam unterwegs ist. Tief verwurzelt ist bei ihm die Begabung, Vertrauen aufzubauen und mit Know-How zu fundieren. Eine Fähigkeit, die in den Nahtstellen mit unterschiedlichen Projektpartnern bessere Ergebnisse sichert. Experte und Moderator zu sein – das ist etwas Besonderes. Es tatsächlich besser zu wissen ohne Hierarchie und Distanz zu erzeugen.

Wir stehen vor der Flipchart mit meinem Bild des Tages. Das trifft. Ehrliche Wertschätzung und am Kern der Sache anzukommen ist nie beliebig und lässt uns eben nicht kalt. Was folgt ist der Ausblick und strategische Überlegungen: Was kommt als nächstes? Wo geht es hin? Wir fixieren Punkte, die Handlungsfähigkeit sichern und Gestaltungsmöglichkeit eröffnen.

So kann man einen Praktikumstag beenden. Ich mache mich fasziniert auf den Heimweg.

Mich beschäftigt die Frage, was ich nun mit dieser groben Ahnung von der Detailtiefe und Komplexität eines Planungsprozesses anstelle. Auf jeden Fall weiterlernen! Und noch mehr Menschen kennenlernen, die an dieser magischen Schatulle gerochen haben.

Lächelnde Person mit schwarzer Kappe macht ein Selfie vor einem Bahnhofsschild mit der Aufschrift „Stuttgart Hbf“ unter blauem Himmel.Blick über mehrere Bahngleise und Bahnsteige auf die Hochhäuser der Frankfurter Skyline unter einem teilweise bewölkten Himmel.Bahnsteig am Bahnhof Mannheim Hbf mit vorbeigehenden Reisenden, Anzeigetafeln und einem großen Werbeplakat der Deutschen Bahn.Große weiße Buddy-Bären-Skulptur mit der Aufschrift „I ♥ Berlin“ auf einem Platz nahe dem Brandenburger Tor bei Nacht.Person macht ein Selfie vor einem Bahnhofsschild mit der spiegelverkehrten Aufschrift „Mahlow“ und zeigt mit der Hand darauf.Zwei Personen stehen vor einem Bürogebäude neben einem Fenster mit der Aufschrift „Hüls Ingenieure – Werke aus Holz“.Handgezeichnete Skizze eines Prozesses mit Pfeilen zwischen verschiedenen Elementen wie Fabrik, Lkw, Baukran, Menschen und einer Idee, die miteinander vernetzt sind.
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