► Herr Pohlers, Sie kommen nicht originär aus der Holzbaubranche, was hat Sie an dieser Stelle interessiert?
Ich bin grundsätzlich ein neugieriger und interessierter Mensch und ganz zufällig ist es nicht, dass ich wieder in einer Handwerks-Branche gelandet bin, da das in meiner Familie eigentlich die übliche Berufsbiografie war.
Meine Schulpraktika habe ich in Handwerksberufen absolviert, während der Semesterferien war ich im Garten- und Landschaftsbau tätig und für meinen Nebenjob in der Bäckerei bin ich zweimal wöchentlich morgens um 4:00 Uhr – übermüdet und mit kleinen Augen – aus der Studenten-WG geschlichen.
Mit Holz habe ich schon immer gerne gearbeitet und versuche weiterhin einmal im Jahr ein altes Möbelstück aufzubereiten – zuletzt den alten Kleiderschrank meiner Großeltern. Mit drei Kindern sind die Zeitressourcen zwar etwas begrenzt, aber zu viel Zeit hat vermutlich heutzutage keiner mehr.
Der Kontakt zum DHV kam über einen guten Freund zustande bei dem ich letzten Sommer in seiner Zimmerei ausgeholfen habe. In den folgenden Vorgesprächen und beim Recherchieren war für mich relativ schnell klar, dass mir der Job Spaß machen wird: Der Holzbau als zentraler Beitrag für nachhaltiges und klimafreundliches Bauen passen sehr gut zu meinem Wertehorizont. Da fiel die Entscheidung nicht schwer, meine Lebens- und Arbeitszeit für ein Feld zu investieren, was Teil der Lösung ist – für eine lebenswerte Zukunft auf einem bewohnbaren Planten.
Darüber hinaus habe ich in meiner Masterarbeit zu organisationalen Netzwerk-Strukturen geforscht und auch das ist ein Schnittmengen-Thema zum DHV. Mit unterschiedlichen Akteuren, die mit ihrem jeweiligen Profil gemeinsam, koordiniert auf ein Ziel zuarbeiten – das fasziniert mich.
► Als ‚DHV-Manager‘ erwartet Sie ein breites Aufgabengebiet, wie sehen Ihre konkreten Tätigkeitsfelder aus?
Zuallererst kümmere ich mich um die Organisation unserer Verbands-Abläufe. Im Speziellen – und auch das ist ein Punkt, der mich motiviert – kümmere ich mich um unsere Wachstums-Strategie. Wir glauben, dass wir als Verband, als Netzwerk für den Holzfertigbau, für noch mehr Akteure von Bedeutung sein können. Das bedeutet viel Kontaktarbeit, Netzwerke knüpfen, aber auch Veranstaltungsformate auszuprobieren, die sich mit den relevanten Fragestellungen unserer Zeit befassen. In all dem ist mir der direkte Draht zu unseren Mitgliedern und Kooperationspartnern wichtig und ich bin gespannt, wie sich das in der Schnelligkeit unseres beruflichen Alltags umsetzen lässt.
► Mit welchen eigenen Zielen und Zielsetzungen treten Sie Ihre neue Stelle an?
Im Endeffekt ist es mein Ziel, dass es unseren Mitgliedern gut geht – wirtschaftlich und persönlich. Dafür ist verbandliche Arbeit da und beides gehört aus meiner Sicht zusammen: Gute Rahmenbedingungen, die das unternehmerische Handeln befördern sowie das eigene Wohlbefinden. Kreativität und Unternehmergeist, neue Ideen und Innovationen sind damit ganz eng verknüpft. Ein Unternehmertum, das von Dauerstress, Schlaflosigkeit, getrübten Zukunftsperspektiven und einem bürokratischen Irrgarten konfrontiert ist – das ist kein Zukunftsmodell.
Große Worte für den Anfang, das ist mir bewusst. Zum einen steckt da natürlich meine persönliche Ambition dahinter (und eine gewissen Blauäugigkeit, die ich mir bewahrt habe): Etwas Bedeutungsvolles zu tun, was anderen Menschen dient. Zum anderen ist mir bewusst, dass so etwas natürlich nur gemeinsam funktioniert. Hierbei freue ich mich insbesondere auf die Zusammenarbeit und den Austausch mit unseren Mitgliedern.
► Trotz ‚Bau-Turbo‘ und einer prognostizierten Trendwende leidet das Baugewerbe nach wie vor unter dem Fachkräftemängel, hohen Baukosten, Zinssteigerungen sowie einer allgemeinen Verunsicherung in der Verbraucherschaft.
Wie sehen Sie die Zukunft für das ‚Bauen mit Holz‘?
Aktuell arbeite ich mich intensiv in die gesamten Zusammenhänge ein, insofern steht es mir noch nicht zu, hier eine qualifizierte Aussage zu treffen. Mein Ausbildungshintergrund liegt im Bereich Organisationsentwicklung und Change-Management und insofern gibt es für mich noch einiges zu lernen.
Daher ein etwas anderer Antwortversuch: Wenn meine Kinder vor einem Problem stehen, was aus ihren Augen unlösbar erscheint, gibt es von uns Eltern häufig zwei Sätze: „Wie kann ich dir helfen?“ und „Probier‘s halt aus.“ Interessanterweise deckt sich der zweite Satz mit der Management-Lehre zur komplexen Problemlösung: In einer komplexen und chaotischen Situation kann man natürlich versuchen, große Konzepte, Visionen und Strategien aufzustellen. Bis man damit fertig ist, hat sich die Welt schon wieder weitergedreht und das erarbeitete Konzept passt nicht mehr für die neue Situation. Die Lösung? Ausprobieren. Einen Schritt gehen, eine Aktion setzen, ein kleines Pilotprojekt initiieren und aus den Ergebnissen lernen. Das Schöne daran: Ausprobieren macht Spaß. Und diesen Spaß an der Sache möchte ich mit meiner Tätigkeit beim DHV verkörpern.
► Bei der Veranstaltung ‚TRIALOG HOLZBAU‚ am 20. und 21. März 2026 in Seeheim-Jugenheim treten Sie erstmals auf die ‚DHV-Bühne‘ – welche Erwartungen haben Sie?
Der ‚TRIALOG HOLZBAU‘ ist ein neues Veranstaltungsformat, das die drei Organisationen DHV, ZMH (ZimmerMeisterHaus) und die 81fünf erstmals gemeinsam anbieten. Hierzu werden bis zu 350 Teilnehmer erwartet.
Die zwei Tage sind für mich die beste Gelegenheit, um möglichst viele Mitglieder des DHV sowie der beiden anderen Organisationen kennenzulernen. Außerdem bietet der ‚TRIALOG HOLZBAU‘ die ideale Möglichkeit, recht schnell in die Materie einzusteigen. Das inhaltliche Programm und die Referentinnen und Referenten sind aus meiner Sicht jeden Anreise-Kilometer wert.
Meine Empfehlung: dabei sein! Zwei Tage voller qualitativer Begegnungen, exzellenter Expertise und neuen Vernetzungsmöglichkeiten mit den vielfältigen Akteuren im Holzbau. Was will man mehr?
Wir danken Herrn Pohlers für das Gespräch. Das Interview führte Peter Mackowiack.

